Als Fazit dieser Reise seien einige -sehr subjektive- Anmerkungen gestattet:
Der Reiz Indiens
erschließt sich dem Reisenden erst nach abenteuerlichen Bus-und Zugfahrten, eine hartgesottene Lebens- und Reiseeinstellung ist durchaus von Vorteil. Obwohl der Chronist bereits einige außereuropäische Erfahrungen als Einzelreisender
aufweisen kann, ist das indische Transportwesen doch als eines der Miesestens bislang genutzten Verkehrsysteme anzusehen. Da von einem eigenem Fahrzeug wegen ungewohntem Linksverkehr und überhaupt völlig mißachteter Verkehrsregeln dringend
abgeraten wird,sei auf die Möglichkeit der Taxireisen verwiesen. Als Grundregel gelten hier (Anfang 2001) etwa DM 30,-pro 100 Kilometer und es empfiehlt sich hart mit den Fahrern zu verhandeln. Beschiß gegenüber unwissenden Ausländern ist weit
verbreitet (wenngleich ein gewisses “Aufgeld” hingenommen werden sollte). Hinsichtlich der Nutzung von Flügen wird dringend eine vorherige Rückbestätigung des Fluges angeraten. Gerade INDIAN AIRLINE überbucht die Maschinen um ein
mehrfaches und wir sind einmal trotz in Deutschland erfolgter Buchung stehengeblieben. Auch jenseits der touristisch erschlossenen Gebiete finden sich in den Städten erträgliche Unterkünfte in großer Zahl und allen Preiskategorien. Anfang
2001 lagen die Preise für ein vernünftiges Doppel- zimmer in einem Mittelklassehotel bei etwa 35 bis 70 DM. Nicht immer bestehen erste Zimmer- checks allerdings den “Naßzellentest”,Abstriche hinsichtlich des üblichen Standards sind
natürlich notwendig. Billigere Unterkünfte (möglich für DM 15,- ) erfordern eine erhöhte selektive Wahrnehmung oder einen sehr schmalen Reiseetat. Positiv einzuschätzen ist natürlich die indische Küche,vor allem für Vegetarier. Jede
Speiskarte verfügt über eine ausführliche Gemüseseite und die Preise für eine warme Mahlzeit übersteigen nur in den Touristengebieten die 2-Mark-Grenze. Unterwegs laden unzählige verführerische vegetarische Snackereien zum Naschen. Soweit
diese gegart sind,scheint dies auch problemlos möglich zu sein. Weitere positive Überraschungen bieten die zahlreichen unbekannten exotischen Früchte. Allent- halben findet sich wieder ein neues umwerfendes Geschmackserlebnis. (Relativ)
teuer wird allerdings der notwendige Alokoholgenuß,wenn überhaupt zu bekommen. In den Touristengebieten (Goa) ist dies bei einem Flaschenpreis im Restaurant von DM 2,- kein Problem. Außerhalb solcher erschlossener Gegenden ist es dagegen
generell schwierig an ein Bier zu kommen. Alkoholkonsum ist verpönt bis generell verboten und findet ,wenn überhaupt, nur in nicht zu empfehlenden versteckten Spelunken statt. In den Touristengebieten Keralas (Varkala und Kovalam) schenkt der
indische Geschäftssinn Bier (empfehlenswert :”KINGFISHER”) dann eben in umgefüllten Teekannen aus. Bei den genannten -für uns lächerlichen- Preisen sollte nicht vergessen werden,daß ein indischer Landarbeiter etwa pro Tag DM 2,30
(50Rp) verdient. Seine Frau dagegen etwa DM 1,40 (30 Rp). Taxifahrer in den Touristengebieten kommen mit Trinkgeld auf etwa monatlich DM 100,- und gelten somit schon als sehr gut bezahlt. Diese sind meistens nur angestellt und prozentual
am Umsatz beteiligt. Augenfällig ist der große gesellschaftliche Unterschied,welcher in Indien wohl auch mit dem Bildungsgefälle einhergeht. Der indischen Mittelschicht werden etwa 250 Millionen Menschen zugeordnet und man trifft hin
und wieder sehr kultivierte Bildungsbürger mit Welt- und Weitsicht. Einige haben in den arabischen Ländern auf Dollarbasis gearbeitet und somit den Grundstock für ein mittelständisches Leben als Unternehmer geschaffen. Einkommen von über
DM 1.200,- monatlich ermöglichen so einen komfortablen westlichen Standard. Generell ist der männliche Teil der Bevölkerung sehr offen und kontaktfreudig und sucht das Gespräch mit dem Reisenden. Der weibliche Teil hält sich dagegen sehr
zurückhaltend bis scheu. Ein solches Verhalten gilt als schicklich und selbst auf gebildete indische Männer wirkt dieses Verhalten teilweise begehrlich. Eine Ausnahme bildet hier allerdings die Oberschicht mit Bildung und westlichen Aus-
landserfahrungen. Akzeptanzprobleme könnten manchmal selbst für alleinreisende Ausländerinnen auftreten, entsprechende Erfahrungen wurden uns konkret zugetragen. Für alleinreisende Frauen kann es schon lästig werden,wenn am Wochende
hunderte von truppweise auftretende junge Männer die Touristenstrände heimsuchen und verstohlen nach Bikini-Ausländer- innen schielen. Eine indische Frau würde sich niemals derart am Strand “zur Schau stellen”,sie bleibt vielmehr im
körperumhüllenden Sari und netzt allenfalls die Füße. Die Darstellung nackter Haut ist generell verpönt und selbst Kinoheldinnen zeigen sehr gewagt (!) den nackten Hals mit Brustansatz, an welchem sich der schmachtende Held mit Abstand (!)
anschmiegen darf. Karsten Kramer,Frankfurt 16.4.2001
